Abmeldung Wohnsitz in Deutschland

Nach unserem Entschluss, die Reise anzugehen, haben wir uns ein Ziel gesetzt: Keinerlei Besitz oder Ballast mehr in Deutschland zu haben.

Das hört sich zuerst einmal leicht an – schließlich kann man ja vieles schnell verkaufen oder auf die Müllkippe fahren. Das war aber nicht unser Anspruch. Wir haben vieles verkauft, verschenkt oder anderweitig genutzt.

Wir zeigen dir hier, was Du alles vor dem Start einer „Vollzeitreise“ beachten solltest und was zu organisieren ist.

Disclaimer:

Bitte beachte, dass wir hier keine Rechtsberatung oder einen 100% Leitfaden mit richtig oder falsch aufzeigen. Viele Punkte sind sehr individuell – unsere Wahl muss nicht zwangsweise passend für dich sein. Wir geben keine Garantie auf Vollständigkeit. Bitte informiere dich vor deiner Entscheidung sorgfältig und treffe die für dich richtige Wahl.

Besitz reduzieren

Was benötige ich?

Fangen wir mit dem größten und aufwendigsten Punkt an – den ganzen Besitz loszuwerden 🙂
Dazu zählen Möbel, Küchenausstattung, Kleidung, Dekoration, Werkzeug, Elektrogeräte und noch vieles mehr. Kurz gesagt alles, was man auf der Reise nicht mehr benötigt.

Hier gibt es zwei grobe Ansätze:

  1. Ich möchte keinen Besitz mehr haben und nichts einlagern
  2. Ich möchte einen gewissen Grundstock einlagern (Möbel, Küchenausstattung, Elektrogeräte etc.) um bei einer Rückkehr wieder starten zu können

Jeder Ansatz hat seine Vor- und Nachteile.

Eine Einlagerung bietet sich an, wenn Du eine „Reise auf Zeit“ machst und nach der Reise wieder normal starten möchtest oder dir dein Besitz so am Herzen liegt, dass Du ihn nicht hergeben möchtest. Du kannst in deiner Familie nachfragen, ob dein Besitz eingelagert werden kann. Dies ist im Normalfall kostenlos 🙂
Falls dies nicht möglich ist, gibt es diverse Anbieter, die das für dich übernehmen. Die Frage, ob die Kosten im Verhältnis zum Nutzen stehen, musst Du dir selbst beantworten.

Wir haben unseren kompletten Besitz verkauft bzw. verschenkt. Ein kleiner Teil landete leider auf dem Müll, da es niemand haben wollte – auch nicht geschenkt. So ist das leider in einer Konsumgesellschaft der Überflusses 🙂

Wie geht man hier am Besten vor?

  • Beginne so früh wie möglich – viele Dinge mussten wir mehrmals einstellen, damit diese den Besitzer wechseln konnten
  • Nimm dir Zeit und gehe einmal komplett durch deinen Haushalt. Erstelle eine große Liste mit Dingen die weg kommen und unterteile sie in Kategorien. Nummeriere die Objekte auf der Liste und klebe einen kleinen Sticker mit der Nummer auf den dazugehörigen Gegenstand – dadurch behältst Du den Überblick. Wir haben dazu ganz einfach Excel/Numbers und Post-It’s genutzt
  • Überlege, was Du verschenken und was Du verkaufen möchtest
  • Schaue nach, wann die lokalen Flohmärkte stattfinden
  • Informiere frühzeitig alle Freunde und die Familie, dass Du Kartons für den Versand benötigst. Jeder bestellt heutzutage online – so erhältst Du kostenlose Kartons in allen möglichen Größen
  • Erstelle Bilder und eine kurze Beschreibung jedes Artikels oder Pakets aus mehreren Artikeln
  • Stelle deine Anzeigen online ein

Wo kann man seine Artikel verkaufen oder verschenken?

Online:
Kleiderkreisel, Momox, eBay Kleinanzeigen, eBay, Quoka, Facebook

Offline / vor Ort:
Flohmarkt, Soziale Einrichtungen, Sozialkaufhäuser, Firmen für Haushaltsauflösungen, Anzeigen im Gemeindeblatt oder in der lokalen Zeitung

Tipp:
Bei vielen vielen Artikeln macht ein Einzelverkauf keinen Sinn. Wer will schon für einen Artikel, der 50 Cent einbringt, 10 Minuten Aufwand haben? Überlege dir im Vorfeld, was dein Limit ist.
Wir haben alles unter 5 € nur im Paket mit anderen Dingen verkauft oder direkt verschenkt.

Digitalisierung der Dokumente

Wie fast jeder Mensch hatten auch wir viele Ordner mit schriftlichen Unterlagen, die im Regal standen. Was tun wir mit diesen vielen Dokumenten? Die Lösung ist einfach: Einscannen!

Mit der Sortierung und Digitalisierung unserer Dokumente starteten wir bereits ein halbes Jahr vor dem Reisestart. Wir haben hierfür unseren Scanner* sowie die App Scanner Pro genutzt.

Die alten Dokumente haben wir anschließend geschreddert und entsprechend entsorgt.

Unser Tipp:
So zeitig wie möglich damit anfangen. Es ist eine ermüdende und nicht unbedingt motivierende Arbeit  Denke während dieser Arbeit immer an das erhebende Gefühl, dass alles geordnet und erfasst sein wird – so erhält man die Motivation aufrecht 🙂

Wir besitzen tatsächlich nur noch einen physischen Ordner – dieser lagert sicher bei der Familie. In dem Ordner sind Dokumente die wir zusätzlich im Original behalten haben:

  • Geburtsurkunden
  • Eheurkunde
  • Zeugnisse
  • Abmeldebescheinigungen
  • Sozialversicherungsdokumente (inklusive Rentenbescheide)
  • Steuerbescheide
  • Zugangsdaten für die Banken
  • Patientenverfügungen
  • Testament

Kündigungen

Natürlich hatten wir auch ein paar Abo’s und Verträge, die fristgerecht gekündigt werden mussten – das Fitnessstudio, GEZ, Kabelnetzbetreiber, Zeitschriften, Stromanbieter etc…

Wie sind wir vorgegangen? Wir haben unsere Unterlagen geprüft und die monatlichen Abbuchungen ausgewertet – anschließend haben wir die entsprechenden Kündigungen verschickt.

Tipp:
Bei Verträgen, die nur zum Vertragsende gekündigt werden konnten, z.B. Stromanbieter und Kabelnetzbetreiber, hatten wir aufgrund der Abmeldung aus Deutschland ein Sonderkündigungsrecht. Somit konnten wir den „finanziellen Schaden“ in Grenzen halten 🙂

Wichtig:
Beginne rechtzeitig mit dieser Arbeit! Oft durchläuft man man ein kleines Ping-Pong Spiel mit dem Vertragspartner. Beharre auf deinem Recht – leider muss manchmal trotz eindeutiger Gesetzeslage mit einem Anwalt gedroht werden.

Arbeitslos melden

Warum melden wir uns arbeitssuchend bzw. arbeitslos? In Deutschland kann man seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld durch die Meldung über einen Zeitraum von vier Jahre geltend machen.

Wir haben uns fristgerecht drei Monate vor dem Ende unserer Arbeitsverträge arbeitssuchend gemeldet um den Anspruch auf Arbeitslosengeld nach unserer Reise nicht zu verlieren.
Die Meldung haben wir unkompliziert online bei der Agentur für Arbeit vorgenommen und konnten dort auch schon vermerken, dass wir auf Reisen gehen und keine neue Arbeitsstelle suchen.

Die persönliche Arbeitslos-Meldung haben wir kurz vor Eintritt der „Arbeitslosigkeit“ erledigt. Dies ist auch ohne Termin (Personalausweis mitnehmen ) möglich.

Unsere Empfehlung:
Bitte lasst euch unbedingt bei der Agentur für Arbeit im Vorfeld beraten. Bei dem Thema gibt es viele Fragen und Unklarheiten, welche nur die fachkundigen Berater klären können.

Versicherungen

Weniger ist mehr

Wir Deutschen sichern uns liebend gern gegen alles und jeden ab. Unser Leitspruch weicht da ein bisschen ab: Wir versichern nur das, was wir wirklich brauchen. Fassen wir mal zusammen, was dabei herausgekommen ist.

Rentenversicherung

Durch die Abmeldung aus Deutschland entfällt für uns die Pflicht, in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen zu müssen. Hier sorgen wir für unser Alter entsprechend privat vor.

Autoversicherung inklusive Wohnkabine und Inventar

Das Schwierigste bei der Kombination Pickup + Wohnkabine ist, eine passende Versicherung zu finden. Viele Versicherungen klammern Leistungen aus oder setzen gewisse Voraussetzungen dafür.
Uns war wichtig, dass unsere Wohnkabine auch im abgesetzten Zustand versichert ist, wir die Wohnkabine nicht eintragen müssen und wir unseren Inhalt mitversichern können.
Wir haben unsere Wohnkabine bei der Württembergischen versichert. Hier ist das Gespann, die Wohnkabine im abgesetzten Zustand sowie unser Inhalt bis zu einer gewissen Höchstgrenze mitversichert.

Krankenversicherung

Wir haben im Vorfeld mehrere Auslandkrankenversicherungen verglichen und uns für die Hanse-Merkur Versicherung* mit dem Tarif Basic* entschieden. Diese bietet für uns das beste Paket.

Bei der HanseMerkur gibt es diverse Optionen für den Versicherungszeitraum:

Privathaftpflicht

Eine Haftpflichtversicherung ist für uns eine absolute „must have“ Versicherung. Die Haftpflichtversicherung zahlt, wenn wir Schäden jeglicher Art verursachen. Das können kleinere Schäden wie z.B. ein Smartphone oder im schlimmsten Fall Personenschäden sein.

Rechtsschutzversicherung

Die Rechtsschutzversicherung ist für uns eine „nice to have“ Versicherung. Ob Du eine Rechtsschutzversicherung benötigst, musst Du selbst entscheiden. Wir möchten darauf nicht verzichten.

Krankenversicherung

Krankenversicherungspflicht?

In Deutschland besteht prinzipiell eine Krankenversicherungspflicht. Durch die Abmeldung des Wohnsitzes fällt diese Pflicht weg. Du kannst entsprechend deiner Pläne eine private Krankenversicherung abschließen, die im Ausland gilt.
Bei Abschluss der Auslandskrankenversicherung erhältst Du eine Versicherungsbestätigung für den versicherten Zeitraum.

Bist du gesetzlich versichert, nehme Kontakt mit deiner jetzigen Krankenkasse auf und sende eine Kopie der Versicherungsbestätigung und der Abmeldebestätigung zu. Diese läuft dann entsprechend zum Beginn der neuen Versicherung aus. Bei gesetzlich versicherten Personen macht für uns eine Anwartschaft keinen Sinn. Deine Krankenkasse ist verpflichtet, dich nach deiner Rückkehr zu den allgemein gültigen Konditionen wieder aufzunehmen.

Bist du freiwillig oder privat versichert, informiere dich rechtzeitig über die entsprechenden Kündigungsfristen und kündige rechtzeitig.
Kontaktiere am Besten deine Versicherung und informiere dich gleich direkt auch über eine Anwartschaft. Denn die privaten Versicherungen sind nicht verpflichtet, dich nach deiner Rückkehr wieder zu alten Konditionen zu versichern – hier kann eine Anwartschaft sinnvoll sein.

Welche Krankenversicherung nutzen wir?

Wir haben im Vorfeld mehrere Auslandkrankenversicherungen verglichen und uns für die Hanse-Merkur Versicherung* mit dem Tarif Basic* entschieden. Diese bietet für uns das beste Paket.

Bei der HanseMerkur gibt es diverse Optionen für den Versicherungszeitraum:

Laufende Verträge

Einige Vertragspartner (z.B. unsere Sparkasse) schreiben einen festen Wohnsitz in Deutschland vor. Meldest Du dich aus Deutschland ab, kann Dir ein laufender Vertrag seitens deines Vertragspartners gekündigt werden.

Gehe rechtzeitig alle Verträge durch, die Du weiter laufen lassen möchtest (z.B. Bank, Kreditkarte, Versicherungen etc.) und erkundige dich, ob ein fester Wohnsitz in Deutschland Pflicht ist. Ist dies notwendig, solltest Du den Vertrag rechtzeitig kündigen und nach einer Alternative suchen.

Postanschrift

Da wir uns aus Deutschland abgemeldet haben, haben wir keine offizielle Meldeadresse mehr. Aber wo werden die Bescheide vom Finanzamt oder anderen Ämtern zugestellt?

Wir haben für das Finanzamt und die Zulassungsbehörde einen Empfangsbevollmächtigten benannt. Dies kann jemand aus deiner Familie oder Freundeskreis sein. Es gibt Vordrucke und Formulare der Ämter, die Du dafür nutzen kannst. Der Empfangsbevollmächtigte sichert zu, deine Post entgegen zu nehmen und an dich weiter zu leiten.

Für laufende Verträgen, z.B. unserer Versicherungen, haben wir eine Postanschrift aus der Familie angegeben.

Steuern

Hier können wir nur aus unserer Situation berichten, da das Thema doch sehr individuell und umfassend ist. Bespreche am besten im Vorfeld deiner Reise deine Situation mit deinem Steuerberater – er sollte Dir die nötigen Aussagen geben können.

Unter Umständen bist Du nach der Abmeldung in Deutschland nicht mehr steuerpflichtig.

Wir haben keinen festen Wohnsitz in Deutschland und arbeiten nicht von unterwegs. Unsere Einkünfte beschränken sich auf Einnahmen aus Wertpapieren in Deutschland – somit sind wir in Deutschland auf unsere Einkünfte beschränkt steuerpflichtig.

Abmeldung Wohnsitz in Deutschland

Wir haben uns rechtzeitig über unsere Pflichten sowie die Vor- und Nachteile einer Abmeldung schlau gemacht. Leider ist es nicht einfach, an Informationen zu kommen. Da wir kein klares Ziel hatten, wann, wie oder ob wir uns überhaupt wieder in Deutschland anmelden werden, haben wir uns nach dem Bundesmeldegesetz gerichtet. Nach dem Bundesmeldegesetz ist es wie folgt geregelt:

(1) Wer eine Wohnung bezieht, hat sich innerhalb von zwei Wochen nach dem Einzug bei der Meldebehörde anzumelden.

(2) Wer aus einer Wohnung auszieht und keine neue Wohnung im Inland bezieht, hat sich innerhalb von zwei Wochen nach dem Auszug bei der Meldebehörde abzumelden. Eine Abmeldung ist frühestens eine Woche vor Auszug möglich; die Fortschreibung des Melderegisters erfolgt zum Datum des Auszugs.

Quelle: Bundesmeldegesetz (BMG)
§ 17 Anmeldung, Abmeldung
Auszug vom 28.12.2019: https://www.gesetze-im-internet.de/bmg/__17.html

Die Abmeldung selbst ist relativ einfach. Du gehst in das Bürgermeisteramt / Meldeamt und meldest dich ab. Du erhältst anschließend einen kleinen Sticker auf deinem Personalausweis mit dem Hinweis „Keine Wohnung in Deutschland“ und eine Abmeldebescheinigung.

Weitere Konsequenzen der Abmeldung

  • Kein Anspruch auf Leistungen aus den Sozialversicherungen
  • Abschluss von Verträgen (z.B. Handyvertrag) oft nicht möglich
  • Eröffnung eines neuen Bankkontos kann schwierig werden
  • Bei Wahlen muss deine Stimmabgabe im Voraus beantragt werden
  • Bestehendes Gewerbe muss eventuell abgemeldet werden

Hast Du dich auch in Deutschland abgemeldet oder hast Du weiterhin eine Meldeadresse?

Schreibe es gerne unten in die Kommentare. Wir sind sehr gespannt. 

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